Die Wahl des richtigen Reiseziels für einen Urlaub im Mai ist besonders lohnenswert, da dieser Monat in vielen Regionen der Welt eine Art „goldene Mitte“ darstellt. Es ist die Zeit, in der die Härte des Winters auf der Nordhalbkugel längst verflogen ist, aber die drückende Luftfeuchtigkeit und die großen Touristenströme des Hochsommers noch auf sich warten lassen. Ob Sie nun die ruhigen, türkisfarbenen Buchten der Karibik, die tiefe Kultur Asiens oder die erwachende Wildnis Nordamerikas suchen – der Mai bietet eine Balance aus Angenehmheit und Zugänglichkeit, die man zu anderen Zeiten selten findet.
Der Charme Europas im späten Frühling
Wenn Europa den Frühling voll ausschöpft, verwandelt sich der gesamte Kontinent. In den südlichen und westlichen Regionen beginnt die Sonne, eine echte Wärme zu spenden, ohne die sengende Intensität, die man im Juli erlebt. Eine der angenehmsten Überraschungen in dieser Zeit ist Österreich. Während viele das Land mit Skifahren verbinden, ist der Mai der Moment, in dem die alpinen Landschaften ihre Schneeschichten ablegen. Das Klima wird trocken und sonnig, wobei die Temperaturen häufig über 20 °C steigen – eine ideale Zeit zum Wandern oder um die historischen Straßen von Wien und Salzburg zu erkunden.
Weiter westlich herrscht in Portugal bereits fast sommerliches Wetter. Es ist ein fantastischer Zeitraum, um die Algarve oder die kopfsteingepflasterten Gassen von Lissabon zu erkunden, ohne von der extremen Hitze erschöpft zu werden. Währenddessen erwärmen sich Perlen wie Ungarn und Kroatien spürbar. Besonders die kroatische Adriaküste ist im Mai einladend: Die Fähren verkehren regelmäßig, die Restaurants öffnen ihre Terrassen und die Meeresluft ist frisch, aber man trifft noch nicht auf die Menschenmassen, die den Hochsommer prägen.
Im Norden zeigt sich Schottland von seiner vielleicht schönsten Seite. Statistisch gesehen ist der Mai oft einer der sonnigsten Monate in den schottischen Highlands. Die Landschaft steht in voller Blüte, und die langen Tageslichtstunden bieten reichlich Zeit für Fotografie und Küstenwanderungen, bevor später in der Saison die „Midges“ (kleine Mücken) aktiv werden.
Saisonale Besonderheiten in Asien
Asien bietet im Mai eine vielfältige Palette an Klimazonen, weshalb die Wahl des genauen Ziels entscheidend ist. Indonesien ist hierbei eine hervorragende Wahl. Während auf Inseln wie Sumatra noch gelegentlich Regen fallen kann, beginnt auf Bali die ideale Trockenzeit. Das Wetter ist beständig sonnig und bietet perfekte Bedingungen für Bergtrekking oder erstklassiges Surfen. Da man sich noch vor dem großen Ferienansturm befindet, lassen sich hochwertige Unterkünfte und handverlesene Boutique-Villen oft zu deutlich attraktiveren Konditionen finden.
Japan ist in diesem Zeitraum ebenfalls ein Highlight. Die „Golden Week“ Feiertage ganz zu Beginn des Monats können zwar belebt sein, doch der restliche Mai überzeugt durch mildes, angenehmes Wetter. Dies ist ideal für ausgiebige Spaziergänge durch Metropolen wie Tokio oder die traditionellen Gärten von Kyoto.
China ist zwar riesig, aber der Mai gilt weithin als eines der besten Fenster für einen Besuch. Die drückende Feuchtigkeit, die den Sommer oft anstrengend macht, ist noch nicht eingetreten. In den nördlichen Regionen, einschließlich Peking, ist die Luft generell trocken und die Temperaturen moderat. Das macht den körperlich anstrengenden Aufstieg auf die Chinesische Mauer wesentlich angenehmer. Man kann sich Zeit lassen, um das architektonische Weltwunder und die grünen Hügel zu bewundern, ohne unter Hitzewellen oder eisigen Winterwinden zu leiden.
Die Vielfalt Afrikas entdecken
Für Reisende mit dem Ziel Afrika ist der Mai ein wichtiger Übergangsmonat. In Nordafrika, insbesondere in den Wüstengebieten von Marokko oder Ägypten, ist dies die letzte Gelegenheit des Halbjahres für komfortable Erkundungen. Die Hitze ist zwar spürbar, aber noch nicht „erstickend“, was Wüstentouren und Marktbesuche ermöglicht, die im Juni oder Juli körperlich zu belastend wären.
Die Insel Réunion im Indischen Ozean ist ein weiteres exzellentes Ziel im Mai. Hier findet man eine Mischung aus vulkanischen Landschaften und tropischen Stränden. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr moderat, und die Meerestemperatur liegt bei angenehmen 25 °C. Da Regenfälle in diesem Monat selten sind, ist die Insel eine verlässliche Wahl für Reisende, die Abenteuer mit Entspannung an der Küste kombinieren möchten.
Abenteuer in Amerika und der Karibik
In der Karibik bleibt Antigua ein absoluter Favorit. Die Insel ist berühmt dafür, „einen Strand für jeden Tag des Jahres“ zu haben, und im Mai kann man diese tatsächlich in aller Ruhe genießen. Das Wetter ist tropisch warm – im Durchschnitt um die 30 °C – aber die kühlenden Passatwinde verhindern, dass es sich drückend anfühlt. Es ist der letzte Monat der Trockenzeit, sodass man von klarem Himmel profitiert, bevor die Luftfeuchtigkeit im Sommer zunimmt. Zudem ist die Verfügbarkeit von Unterkünften besser, und die Insel wirkt authentischer, da die Haupttouristenströme des Winters bereits abgereist sind.
Weiter südlich in der Karibik empfangen Orte wie Guadeloupe, Martinique und die Bahamas ihre Gäste noch mit trockenem, sonnigem Wetter. In Südamerika wird Bolivien nach dem Ende der Regenzeit wieder gut bereisbar und offenbart atemberaubende Ausblicke in den Anden und in den Salzpfannen. Währenddessen genießt die Westküste Mexikos viel Sonnenschein und bietet eine großartige Alternative zur zunehmend feuchten Karibikseite des Landes.
Richtung Norden erlebt Kanada im Mai ein wahres Naturschauspiel. In den südlichen Regionen und den Rockies ist der Frühling in vollem Gange. Während der tiefe Norden vielleicht noch die Ausläufer des Winters spürt, erwacht der Rest des Landes. Dies ist die beste Zeit für Naturbeobachter: Wenn der Schnee schmilzt, kommen Grizzlybären aus dem Winterschlaf und verschiedene Walarten beginnen ihre Wanderungen entlang der Küsten. Es ist eine Zeit der Erneuerung, in der sich die Landschaft fast über Nacht von Weiß in ein sattes Grün verwandelt. Ein kleiner Hinweis: Regenschauer sind im Frühling häufig, daher gehört eine wetterfeste Jacke unbedingt ins Gepäck.
Die besondere Anziehungskraft Nordaustraliens
Während die Nordhalbkugel dem Sommer entgegengeht, bricht in Nordaustralien die angenehmste Phase an. In Regionen wie Northern Queensland und dem Northern Territory ist die Regenzeit vorbei. Der Mai bringt die „Trockenzeit“, die sich durch strahlend blauen Himmel und eine deutlich niedrigere Luftfeuchtigkeit auszeichnet.
Für Taucher und Schnorchler ist das Great Barrier Reef in diesem Monat spektakulär. Das Wasser bleibt warm (um 25 °C), aber die Sichtweiten sind oft auf ihrem Höhepunkt. Da die Gefahr durch giftige Quallen (Stinger Season) in dieser Zeit sinkt, ist das Meer viel einladender. Wer ins Landesinnere zum „Red Centre“ reist, wird feststellen, dass ikonische Orte wie der Uluru viel zugänglicher sind. Die sengende Hitze des australischen Sommers wird durch milde Tage und kühle Nächte ersetzt, was für Wanderungen um diese gewaltigen Felsformationen unerlässlich ist. Auch die Feuchtgebiete des Kakadu-Nationalparks wimmeln von Vögeln und Krokodilen, und da das Wasser zurückgeht, sind die Straßen im Parkinneren viel leichter befahrbar.
Warum der Mai die kluge Wahl für Reisende ist
Einen Urlaub im Mai zu planen, ist oft eine Lektion in Sachen Effizienz und Genuss. Man umgeht im Wesentlichen die zwei größten Hürden des internationalen Reisens: extremes Wetter und extreme Menschenmassen.
- Klima: Man vermeidet die „schwere“ Luft der Tropen ebenso wie die „beißende“ Kälte des Nordens.
- Kosten und Platz: Viele Hotels und Fluggesellschaften bieten in dieser Zwischensaison Tarife an, die deutlich unter denen im Dezember oder Juli liegen.
- Natur: Ob es die blühenden Wildblumen in Schottland oder die erwachende Tierwelt in Kanada sind – man sieht die Welt von ihrer lebendigsten Seite.
Von den ruhigen, sonnendurchfluteten Kanälen Venedigs bis hin zur kristallklaren Sicht an den australischen Riffen – der Mai bietet eine Kulisse, die es dem Reiseziel erlaubt, der eigentliche Star zu sein. Es ist eine Zeit für langsames Reisen, für Umwege und dafür, die berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Welt ohne den Druck einer Menschenmenge zu genießen.
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