Вход Регистрация

Логин / email

Пароль

Забыли пароль? или войти с помощью

Восстановление пароля

Регистрация

Email

Пароль

Регистрируясь, Вы соглашаетесь с правилами

Das grüne Universum von Ratscha: Wie meine Schwester und ich das wilde Georgien abseits von Tiflis entdeckten

16.06.2026 г.
23
Autor:Irina Worobjowa
Ort:Georgien, Oni
Das grüne Universum von Ratscha: Wie meine Schwester und ich das wilde Georgien abseits von Tiflis entdeckten
Das grüne Universum von Ratscha: Wie meine Schwester und ich das wilde Georgien abseits von Tiflis entdeckten
Das grüne Universum von Ratscha: Wie meine Schwester und ich das wilde Georgien abseits von Tiflis entdeckten

Flucht in die Ratscha-Alpen: Warum wir uns entschieden, Batumi und Kasbegi links liegen zu lassen

Die Idee zu dieser Reise entstand an einem verregneten Frühlingsabend, als meine Schwester Olja und ich in der Küche saßen und Optionen für den Sommerurlaub durchgingen. Wir sehnten uns beide verzweifelt nach Stille, majestätischen Bergen und unberührter Natur, aber ohne Touristenmassen, überfüllte Busse und endlose Warteschlangen für Tickets. Die beliebten Routen Georgiens wie die Georgische Heerstraße, der Kasbek oder das Strandleben in Batumi fielen fast sofort weg. Wir suchten nach etwas Abgelegenem, Grünem und im besten Sinne Wildem. So tauchte die Region Ratscha auf unserer Karte auf — eine Gegend, die die Georgier selbst als ihre Schweiz bezeichnen, die der Massentourismus wegen der komplexen Logistik jedoch selten erreicht.

Wir begannen, das Thema genauer zu studieren, in Foren zu suchen und die wenigen Berichte von Backpackern zu lesen. Es stellte sich heraus, dass Ratscha ideal für unsere Zwecke war: Hier gibt es dichte Nadelwälder, Karsthöhlen, wilde Flüsse, Gletscher und gleichzeitig so gut wie keine pompösen Hotels oder lautstarken Vergnügungszentren. Unser wichtigster Orientierungspunkt wurde die kleine Stadt Oni und das winzige Bergdorf Schowi, das von jahrhundertealten Tannen umgeben ist. Wir beschlossen fest, alle zehn Julitage im Einklang mit dieser rauen, aber faszinierenden Natur zu verbringen und uns zu Fuß sowie mit lokalen Geländewagen fortzubewegen.

Die Vorbereitung erforderte besondere Aufmerksamkeit bei der Ausrüstung. Da wir vorhatten, viel auf den Pfaden des Shaori-Nationalparks und in der Umgebung von Schowi zu wandern, brauchten wir hochwertige Trekkingschuhe, Membranjacken für plötzliche Gewitter, Trekkingstöcke und zuverlässige Rucksäcke. Wir stellten eine detaillierte Reiseapotheke zusammen, da Apotheken in den tiefen Bergregionen eine Seltenheit sind, und luden Offline-Karten herunter, die uns später an Weggabelungen im Wald mehr als einmal gerettet haben. Die Stimmung vor dem Start war ein wenig aufgeregt, aber voller unbändiger Vorfreude: Das unbekannte Georgien wartete auf uns.

Tag 1. Erste Begegnung mit Oni und die Stille jahrhundertealter Kiefern

Unsere Reise begann mit der Ankunft in Oni — dem Verwaltungszentrum der historischen Region Ratscha. Es ist eine winzige, verschlafene und unglaublich gemütliche Kleinstadt, die sich im Tal des Flusses Rioni auf einer Höhe von etwa 800 Metern über dem Meeresspiegel erstreckt. Die sie umgebenden Berge, bedeckt mit dichten smaragdgrünen Wäldern, machten sofort klar, dass wir genau dort gelandet waren, wo wir hinwollten. Die Luft hier war so rein und dicht, dass uns in den ersten Stunden vor ungewohntem Sauerstoffreichtum schwindelig wurde.

Wir kamen in einem traditionellen, familiengeführten Gästehaus unter, das wir im Voraus gebucht hatten. Es war ein zweistöckiges Holzhaus mit einem großen, weinrebenumrankten Balkon und einem riesigen Garten, in dem die Gastgeberin namens Nana Kräuter, Tomaten und duftende Äpfel anbaute. Nana empfing uns, als wären wir enge Verwandte, die sie seit vielen Jahren nicht gesehen hatte. Wir bekamen ein helles Zimmer im zweiten Stock mit Blick auf die schneebedeckten Gipfel des Großen Kaukasus, die in der Ferne schimmerten.

Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt hatten, machten wir uns auf, die Stadt zu erkunden. In Oni gibt es in den ruhigen Gassen praktisch keinen Asphalt im herkömmlichen Sinne — es dominieren Schotterwege und alte Steinhäuser mit geschnitzten Holzbalkonen. Die Hauptattraktion der Stadt ist die Synagoge aus dem späten 19. Jahrhundert, die aus weißem Stein erbaut wurde. Wir betrachteten lange ihre Fassaden und wunderten sich, wie harmonisch sich dieses Gebäude in die raue kaukasische Landschaft einfügt. Auf den Straßen war es menschenleer, nur gelegentlich kamen Einheimische vorbei und nickten uns freundlich zu.

Zum Mittagessen gingen wir in ein kleines, gemütliches Café nahe dem zentralen Platz. Das war unsere erste Begegnung mit der Küche von Ratscha, die sich spürbar von der gesamtgeorgischen unterscheidet. Wir bestellten das berühmte Lobiani mit Schinken (Ratschuli Lori). Das ist ein mit Bohnen gefüllter Fladen, aber das Geheimnis seines unglaublichen Geschmacks liegt im geräucherten Schweineschinken, der lange im Ofen schmort. Der Geschmack übertraf alle Erwartungen: salziger, herzhafter Teig, zarte Bohnen und ein feines Raucharoma. Dazu tranken wir eine lokale Estragon-Limonade.

Nach dem üppigen Mittagessen spazierten wir am Ufer des wilden und trüben Flusses Rioni entlang. Das Wasser schoss mit enormer Geschwindigkeit dahin und rauschte durch das ganze Tal. Wir fanden einen umgestürzten Baumstamm, setzten uns darauf und schwiegen einfach vierzig Minuten lang, während wir das Rauschen aufsaugten und uns bewusst wurden, dass wir dem Großstadttrubel endlich entflohen waren. Am Abend bereitete uns Nana auf der Veranda ein Abendessen zu: hausgemachter Sulguni-Käse, frische Gurken und Tomaten direkt aus dem Beet, verfeinert mit einer dicken Walnusssauce, und warmes Shoti-Brot.

Wir schliefen bei offenen Fenstern zum gleichmäßigen Rauschen des Flusses und dem Zirpen der Grillen ein. Die Kühle, die nachts aus den Bergen herabzog, war eine wohltuende Rettung nach der Hitze des Julitages. Der erste Tag in Ratscha schenkte uns absolute Seelenruhe und die Gewissheit, dass unsere Entscheidung, genau hierher zu reisen, absolut richtig war.

Tag 2. Der Spiegel von Ratscha — die Shaori-Talsperre und geheimnisvolle Karsttrichter

Der Morgen begann mit einem herrlichen Frühstück von Nana: hausgemachte Eierkuchen mit Blaubeermarmelade, die die Gastgeberin im vergangenen Jahr im Wald gesammelt hatte, frischer Quark und starker Kaffee. Heute führte uns unser Weg zum Shaori-See — einer riesigen Talsperre, die auch als das Herz von Nieder-Ratscha bezeichnet wird. Wir vereinbarten eine Fahrt mit einem lokalen Fahrer in einem alten Lada Niva, da die öffentlichen Verkehrsmittel zu unseren gewünschten Orten äußerst unregelmäßig fahren und es unmöglich ist, eine solche Strecke an einem Tag zu Fuß zurückzulegen.

Als das Auto die Passhöhe erreichte und sich uns das Panorama von Shaori eröffnete, hielten wir den Atem an. Die riesige Wasserfläche in sattem Türkis war von dichten Wäldern umgeben, die bis direkt an das Wasser heranreichten. Die Bäume spiegelten sich so klar im See, dass es schien, als stünde die Welt auf dem Kopf. Das Wasser war absolut still, ohne eine einzige Kräuselung. Der Fahrer setzte uns an einem der wilden Ufer ab und vereinbarte, uns gegen Abend wieder abzuholen.

Meine Schwester und ich beschlossen, einen Teil des Ufers zu Fuß zu umrunden. Hier gab es keine ausgebauten Strände, Liegestühle oder laute Cafés, nur vereinzelt Angler in Schlauchbooten. Wir gingen auf einem weichen Teppich aus Kiefernnadeln und atmeten den Duft von Harz und feuchter Erde ein. Hin und wieder gelangten wir an kleine Sandzungen, an denen das Wasser warm und klar war. Olja wagte sogar ein kurzes Bad, obwohl das Wasser im Shaori-See selbst mitten im Sommer erfrischend kühl bleibt.

Das Hauptziel unserer heutigen Wanderung waren jedoch Karsttrichter und Höhlen, die in den Wäldern unweit des Stausees verborgen lagen. Ausgerüstet mit Offline-Karten bogen wir von der Uferlinie tief in den Wald ab. Der Aufstieg war sanft, aber aufgrund des dichten Grüns herrschte eine hohe Luftfeuchtigkeit. Nach einer Stunde Suche entdeckten wir den ersten Trichter — einen tiefen Einbruch im Boden, bewachsen mit Farnen und Moos, aus dem uns eisige Kälte entgegenschlug. Es fühlte sich an, als hätten wir ein Portal in eine andere Dimension gefunden.

Wir machten Picknick auf einer Waldlichtung mit den am Morgen auf dem Markt in Oni gekauften Vorräten: Fladenbrot, Käse und reife georgische Pfirsiche. Das Essen an der frischen Luft nach einigen Kilometern Fußmarsch schmeckte unglaublich gut. Wir saßen auf einem umgestürzten Baum, lauschten dem Klopfen eines Spechts und dem Rascheln der Eidechsen im Gras und genossen das völlige Fehlen jeglicher Zivilisation um uns herum.

Auf dem Rückweg zum Treffpunkt mit dem Fahrer stießen wir auf die kleine, alte Nikorzminda-Kirche, die etwas abseits des Sees liegt. Dieses Gotteshaus aus dem 11. Jahrhundert beeindruckte uns mit seinen feinen Steinmetzarbeiten an den Fassaden. Wir gingen hinein und betrachteten lange die alten Fresken, die nur von den dünnen Sonnenstrahlen erhellt wurden, die durch die schmalen Fenster drangen. Am Abend, zurück in Oni, fielen wir erschöpft, aber glücklich und mit einer angenehmen Müdigkeit in den Beinen ins Bett.

Tag 3. Umzug nach Schowi und die vergessene Welt eines sowjetischen Kurorts

Am dritten Tag verabschiedeten wir uns von der gastfreundlichen Nana und machten uns auf den Weg höher in die Berge, in das Dorf Schowi. Dieser balneologische Kurort auf 1600 Metern Höhe galt zu Sowjetzeiten dank seiner Mineralquellen und des einzigartigen Klimas als einer der angesehensten Erholungsorte. Die Straße dorthin schlängelte sich durch eine enge Schlucht, vorbei an halb verlassenen Dörfern und steilen Klippen. Je höher wir kamen, desto kühler wurde die Luft und desto majestätischer wirkten die Berge.

Schowi empfing uns mit Stille und einem leichten Nebel, der sich an den Wipfeln der riesigen Tannen verfing. Wir bezogen ein bescheidenes Holzgästehaus, das von dem älteren Ehepaar Reso und Daredschan geführt wurde. Unser Zimmer lag im Dachgeschoss, und aus dem Fenster bot sich ein Blick auf drei Gletscher, die im Sommerlicht glitzerten. Drinnen duftete es nach Holz und getrockneten Kräutern. Hier gab es kein Internet, was für uns die perfekte Gelegenheit für ein komplettes digitales Detox war.

Wir unternahmen einen Spaziergang über das Gelände des ehemaligen sowjetischen Sanatoriums. Viele der hölzernen Schlafbaracken stehen heute leer und verfallen langsam, während sie vom Wald zurückerobert werden. Dieser Ort wirkte unglaublich atmosphärisch und ein wenig geheimnisvoll: geschnitzte Veranden, zugewachsene Pfade, alte Wegweiser. Wir streiften durch diese Geister der Vergangenheit und stellten uns vor, wie hier vor einem halben Jahrhundert das Leben pulsierte. Die Natur holt sich allmählich zurück, was ihr gehört, und macht die Architektur zu einem Teil der Waldlandschaft.

Eine der Hauptattraktionen von Schowi sind die Mineralquellen, die direkt aus der Erde sprudeln. Die Einheimischen nennen sie „Uzera“. Wir fanden mehrere Quellen mit unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung. Das Wasser schmeckte prickelnd, mit einer starken Note von Eisen und Schwefel. Es war ungewohnt zu trinken, aber sehr erfrischend. Wir füllten eine Flasche mit dem kühlen Wasser aus einer Quelle, die laut Reso besonders gut für die Verdauung sein soll.

Zum Abendessen gingen wir in eine kleine Kantine der einzigen noch funktionierenden Pension. Man servierte uns einfaches, aber nahrhaftes Essen: eine kräftige Chartscho-Suppe mit Rindfleisch und reichlich Kräutern sowie Auberginenröllchen mit Walnusspaste. Alles war hausgemacht, ohne Schnörkel, aber wahnsinnig lecker. Am Abend saßen wir auf der Veranda unseres Gästehauses, eingekuschelt in warme Decken, und tranken Bergkräutertee, den Daredschan für uns aufgebrüht hatte. Die Temperatur sank auf zwölf Grad, und wir froren seit langem zum ersten Mal wieder richtig im Sommer.

Tag 4. Aufstieg zum Fuß des Buba-Gletschers

Diesen Tag beschlossen wir, einer der schönsten und anspruchsvollsten Wanderungen in der Umgebung von Schowi zu widmen — dem Aufstieg zum Buba-Gletscher. Wir mussten etwa 800 Höhenmeter auf felsigen Pfaden und Almwiesen überwinden. Wir standen um sechs Uhr morgens auf, frühstückten ausgiebig Quarkpfannkuchen und Brei, überprüften unsere Wasservorräte und machten uns auf den Weg. Die Sonne blinzelte gerade erst über die Gipfel, und das Gras war von dichtem Tau bedeckt.

Der erste Teil des Weges führte durch einen dichten Tannenwald. Der Anstieg war steil, der Atem ging schnell schneller, aber der Duft der Nadeln und die Kühle halfen uns, voranzukommen. Wir gingen in mäßigem Tempo und machten alle halbe Stunde eine kurze Pause, um Wasser zu trinken und uns auf dem Navigationsgerät zu orientieren. Allmählich lichtete sich der Wald und wich hohem Gras und Almwiesen. Hier empfing uns ein unglaubliches Farbenmeer: blaue Glockenblumen, gelbe Hahnenfußgewächse und schneeweiße Kamillen erstreckten sich wie ein Teppich bis zum Horizont.

Je höher wir stiegen, desto grandioser wurde die Aussicht hinter uns. Das Tal von Schowi wirkte wie ein winziges Spielzeugdorf, eingezwängt zwischen den gigantischen grünen Falten der Berge. Irgendwann führte der Pfad über eine Geröllhalde, das Gehen wurde mühsamer, und unter unseren Füßen rutschten kleine Steine weg. Hier waren uns die Trekkingstöcke eine große Hilfe, um auf dem rutschigen Hang das Gleichgewicht zu halten.

Nachdem wir den letzten steilen Anstieg überwunden hatten, erreichten wir schließlich ein steiniges Plateau direkt vor der Zunge des Buba-Gletschers. Das Gefühl war unbeschreiblich: Vor uns erhob sich eine riesige Wand aus blau-grauem Eis, von der eine winterliche Kälte ausging. Dutzende kleiner Bäche stürzten rauschend vom Gletscher herab und bildeten den Ursprung wilder Gebirgsflüsse. Wir standen auf einer Höhe von etwa 2500 Metern, umgeben von schroffen grauen Felsen und ewigem Schnee, und fühlten uns wie winzige Staubkörner in dieser gewaltigen Welt.

Wir machten ein Picknick direkt auf den Steinen am Gletscher. Olja holte die Thermoskanne mit heißem Tee hervor, den wir am Morgen aufgebrüht hatten, und Sandwiches mit dem berühmten Schinken aus Ratscha. Noch nie im Leben hatte mir ein einfacher Tee mit Thymianaroma so göttlich geschmeckt. Wir verbrachten etwa eine Stunde am Gletscher, genossen einfach diese raue Schönheit und lauschten dem dumpfen Knacken des Eises tief im Inneren des Massivs.

Der Abstieg zurück nach Schowi war nicht minder anstrengend, da die Knie durch die ständige Anspannung am steilen Hang schnell müde wurden. Erst am späten Nachmittag kehrten wir völlig erschöpft, aber glücklich ins Gästehaus zurück. Als Daredschan unsere müden Gesichter sah, heizte sie sofort die Holzsauna für uns an. Der heiße Dampf und das eiskalte Wasser aus dem Gebirgsbach erweckten uns wieder zum Leben und vertrieben jeden Muskelkater.

Tag 5. Die Geheimnisse von Uzera und Entspannung an den Mineralquellen

Nach dem anstrengenden Aufstieg am Vortag legten wir einen Erholungstag ein. Unser Ziel war das Nachbardorf Uzera, das für seine alten Eibenwälder und heilenden Mineralquellen bekannt ist. Wir hielten ein Auto an — ein gastfreundlicher Einheimischer in einem alten Mercedes erklärte sich bereit, uns umsonst nach Uzera mitzunehmen, und erzählte uns auf der Fahrt Geschichten über seine Jugend und die Traditionen der Region.

Uzera entpuppte sich als unglaublich malerischer Ort, der sich an beiden Ufern des Flusses Rioni erstreckt. Die Hauptattraktion des Dorfes ist ein Urwald aus Eiben, von denen einige Bäume bereits über tausend Jahre alt sind. Wir betraten diesen Hain und fühlten uns sofort wie in einem Märchen. Die riesigen Stämme, bedeckt mit rötlicher Rinde und dichtem Moos, bildeten ein dichtes Blätterdach, durch das kaum ein Sonnenstrahl drang. Im Hain herrschte ein mystisches Dämmerlicht und eine wunderbare Stille, die nur vom fernen Rauschen des Flusses unterbrochen wurde.

Wir verbrachten mehrere Stunden im Eibenwald, spazierten auf den Pfaden und atmeten die gesunde, mit Phytonziden gesättigte Luft ein. Es heißt, der Aufenthalt hier wirke sich positiv auf die Atemwege aus. Nach dem Waldspaziergang machten wir uns auf den Weg zu den berühmten Mineralquellen von Uzera. Es gibt hier über zwanzig verschiedene Quellen. Wir probierten das Wasser aus mehreren von ihnen, und jede hatte ihren ganz eigenen Geschmack — von mild und leicht süßlich bis hin zu scharf und kohlensäurehaltig.

Zum Mittagessen kehrten wir in ein kleines Familienrestaurant am Flussufer ein. Wir beschlossen, ein traditionelles Gericht aus Ratscha zu probieren: Schkmeruli. Das ist ein saftiges Hähnchen, das in einer Ketsi-Tonpfanne in einer reichhaltigen Knoblauch-Sahne-Sauce gebraten wird. Das Gericht wurde brutzelnd und unglaublich duftend serviert. Wir tunkten Stücke von frischem Fladenbrot in die Sauce und vergaßen alles um uns herum. Das Knoblaucharoma war so intensiv, dass uns klar war: Heute sollten wir besser keine Gespräche mehr mit Fremden führen.

Den Rest des Tages verbrachten wir am Kiesufer des Rioni, beobachteten die Strömung des Wassers und bauten kleine Türme aus flachen Steinen. Es war ein Tag der absoluten Entspannung und Regeneration nach den schweren körperlichen Anstrengungen. Am Abend kehrten wir zu Fuß zu unserem Gästehaus in Schowi zurück und genossen die Farben des Sonnenuntergangs, die die schneebedeckten Gipfel der Berge in ein zartes Rosa tauchten.

Tag 6. Der geheime Pfad zum Tbilisa-Gletscher

Nachdem wir uns in Uzera erholt hatten, waren wir bereit für neue Taten. Diesmal führte uns unsere Route zum Tbilisa-Gletscher. Diese Wanderung gilt als weniger populär als der Weg zum Buba-Gletscher, aber die Einheimischen versicherten uns, dass die Aussichten dort noch wilder und atemberaubender seien. Wir mussten dem Flussbett des Chantschachi bis zu seinen Quellen folgen.

Der Pfad begann direkt hinter dem Ortsrand von Schowi. Die ersten Kilometer gingen wir auf einem relativ flachen Waldweg, der sich allmählich verengte und in einen kaum erkennbaren Pfad verwandelte, der mit mannshohem Farn bewachsen war. Mehrmals mussten wir kleine Gebirgsbäche durchwaten. Das Wasser darin war eiskalt und brannte an den Füßen, aber es machte uns in der Morgenkühle herrlich wach. Wir orientierten uns an den vereinzelten Markierungen auf Steinen und Bäumen.

Bald endete der Wald und wir erreichten ein breites, steiniges Tal, das von zwei steilen Felswänden flankiert wurde. Die Landschaft wechselte abrupt zu einem rauen, fast marsähnlichen Charakter. Überall lagen riesige Felsbrocken, die von alten Muren hierher getragen worden waren, und vor uns erhob sich das Tbilisa-Massiv. Das Gehen auf den Steinen war anstrengend, wir mussten ständig von einem Brocken zum nächsten springen und prüfen, ob sie stabil lagen. Olja bewies erstaunliches Geschick, während sie mit den Trekkingstöcken balancierte.

Gegen Mittag erreichten wir den Endpunkt der Route — die Stelle, an der der Tbilisa-Gletscher ins Tal hinabsteigt. Der Anblick war grandios und ein wenig einschüchternd. Die riesige Zunge aus grauem Eis, durchzogen von Spalten und Gesteinsschutt, wirkte wie ein erstarrter Riese. Aus einem dunklen Tor an der Basis des Gletschers schoss tosende Gischt hervor und bildete den Ursprung des Flusses. Wir saßen in sicherem Abstand auf einem riesigen Granitblock und blickten fasziniert auf dieses Naturschauspiel.

Unser Mittagessen bestand aus traditionellem georgischem Käse, Fladenbrot und getrockneten Feigen. Wir saßen in einer Stille, die nur vom Tosen des Wassers und den Rufen der majestätischen Bergadler hoch am Himmel unterbrochen wurde. In solchen Momenten spürt man die Erhabenheit der Natur besonders intensiv. Wir machten etliche Fotos, obwohl uns klar war, dass kein Bild diese Dimensionen und die Energie dieses Ortes vollkommen einfangen kann.

Der Rückweg dauerte etwa vier Stunden. Wir kehrten erschöpft, aber mit einem Gefühl des Erfolgs ins Gästehaus zurück. Reso und Daredschan warteten bereits am Lagerfeuer auf uns, das sie im Hof entzündet hatten. Wir verbrachten den Abend am Feuer, lauschten Resos Geschichten über die Historie dieser Orte und tranken hausgemachten Wein, den er selbst aus Trauben keltert, die aus Nieder-Ratscha geliefert werden. Das war einer der stimmungsvollsten Abende unserer gesamten Reise.

Tag 7. Auf der Suche nach alten Kirchen: Mrawaldsali

Nachdem wir einige Tage im hochgelegenen Schowi verbracht hatten, beschlossen wir, etwas tiefer hinabzusteigen und einen Tag der Erkundung des kulturellen Erbes von Ratscha zu widmen. Unser Ziel war die in den Bergen verborgene Kirche von Mrawaldsali, die auf einer Höhe von etwa 1800 Metern auf dem Gipfel eines malerischen Kamms liegt. Der Weg dorthin ist eine steile, unbefestigte Schotterpiste, die nur von einem robusten Geländewagen bewältigt werden kann.

Wir nahmen wieder die Dienste unseres bekannten Fahrers mit dem Niva in Anspruch. Die Fahrt war abenteuerlich: Der Motor heulte auf, während der Wagen tiefe Spurrinnen und steile Steigungen bezwang, und vor den Fenstern taten sich schwindelerregende Abgründe auf. Mehrmals dachten wir, wir würden stecken bleiben, aber der Fahrer meisterte das Steuer mit Bravour und munterte uns mit humorvollen georgischen Geschichten auf. Unterwegs passierten wir winzige, halb verlassene Dörfer, in denen die Zeit vor hundert Jahren stehen geblieben zu sein schien.

Als wir schließlich den Gipfel des Kamms erreichten, eröffnete sich uns eine Aussicht, die uns die strapaziöse Fahrt sofort vergessen ließ. Die St.-Georgs-Kirche von Mrawaldsali stand direkt am Abgrund und bot ein 360-Grad-Panorama über ganz Ratscha und die schneebedeckten Gipfel von Swanetien in der Ferne. Es war ein Ort von unglaublicher spiritueller Kraft. Die Kirche selbst, im 11. Jahrhundert erbaut und beim Erdbeben von 1991 teilweise zerstört, wurde inzwischen liebevoll restauriert.

Wir betraten das kühle, nach Kerzenwachs duftende Innere der alten Kirche. An den Wänden hatten sich Fragmente mittelalterlicher Fresken und einzigartige Flachreliefs mit Fabelwesen erhalten. Es gab hier keine Touristen, nur einen älteren Aufseher, der uns schweigend zunickte und uns erlaubte, auf den Glockenturm zu steigen. Auf dem Turm blies uns ein stürmischer Wind entgegen, aber der Blick auf die endlosen grünen Wellen der Berge entschädigte für jede Unannehmlichkeit.

Nach dem Besuch der Kirche machten wir ein Picknick auf einem grünen Hang in der Nähe. Das Gras hier war weich wie ein kostbarer Teppich und die Luft duftete nach Thymian und Salbei. Wir lagen auf dem Rücken, blickten in die vorbeiziehenden Wolken, die so nah schienen, als könne man sie mit den Händen greifen. Das war ein Tag der absoluten mentalen Erholung.

Am Abend kehrten wir nach Oni zurück, da wir beschlossen hatten, die verbleibenden Tage der Reise hier zu verbringen — von hier aus ließen sich Ausflüge in andere Teile der Region bequemer organisieren. Wir checkten wieder in Nanas Gästehaus ein, die uns wie alte Freunde empfing und uns zur Begrüßung einen großen Teller mit dampfenden Chinkali mit Rindfleisch und Kräutern zubereitet hatte.

Tag 8. Die wilden Pfade der Rioni-Schlucht

Diesen Tag widmeten wir der Erkundung wilder Pfade entlang des Flusses Rioni nördlich von Oni. Wir setzten uns keine konkreten Ziele wie Gletscher oder Gipfel, sondern wollten einfach durch unberührte Landschaften wandern, in die sich selbst Einheimische nur selten verirren. Ausgerüstet mit Trekkingstöcken und ausreichend Proviant verließen wir das Gästehaus am frühen Morgen.

Der Pfad führte uns am linken Ufer des Flusses entlang, stieg mal über steile Felsvorsprünge an und führte mal wieder ganz nah ans Wasser heran. Der Rioni war hier wild und ungezähmt: Das graue, trübe Wasser brach sich tosend an riesigen Felsbrocken und erzeugte feinen Wassernebel. An einigen Stellen verengte sich die Schlucht so sehr, dass die Felswände förmlich über uns hingen und den Himmel verdeckten. Das Gefühl der Urgewalt der Natur begleitete uns auf jedem Schritt.

Unterwegs stießen wir auf eine eingestürzte Hängebrücke, die einst die beiden Ufer des Flusses miteinander verbunden hatte. Die alten Stahlseile und die morschen Holzbretter gaben ein fotogenes Bild ab, aber das Überqueren wäre lebensgefährlich gewesen. Wir machten einige stimmungsvolle Fotos vor dieser Ruine, die das Verblassen der menschlichen Präsenz in dieser Wildnis symbolisierte. Wir mussten einen Umweg von etwa einem Kilometer machen, um eine sichere Furt über einen Nebenfluss des Rioni zu finden.

Am Nachmittag erreichten wir eine malerische Lichtung, die von wilden Brombeersträuchern umgeben war. Zu unserer Freude hingen die Sträucher voller großer, reifer schwarzer Beeren. Wir verbrachten fast eine Stunde damit, die süßen Beeren direkt vom Strauch zu pflücken und zu naschen. Unsere Hände und Lippen färbten sich schnell violett, aber wir konnten einfach nicht aufhören. Das war der beste Snack der gesamten Reise.

Wir aßen direkt auf der Lichtung zu Mittag, während wir dem unaufhörlichen Rauschen des Flusses lauschten. Auf dem Rückweg nach Oni verliefen wir uns kurzzeitig auf einem alten Forstweg, fanden aber dank unserer Offline-Karten schnell wieder auf den richtigen Pfad zurück. Dieser Tag zeigte uns, dass die Natur von Ratscha auch ohne berühmte Sehenswürdigkeiten auf Schritt und Tritt zu überraschen vermag.

Tag 9. Der Udsiro-See — die härteste Prüfung

Am neunten Tag wagten wir das extremste Abenteuer unserer Reise — eine Eintageswanderung zum hochgelegenen Udsiro-See (übersetzt „Der Bodenlose“). Dieser See liegt auf einer Höhe von 2800 Metern am Hang des Berges Katizwera. Die Einheimischen hatten uns gewarnt, dass der Aufstieg unglaublich steil sei und eine hervorragende Kondition erfordere, aber der Wunsch, dieses Naturwunder zu sehen, überwog alle Bedenken.

Wir engagierten einen erfahrenen lokalen Guide namens Georgi, da sich der Pfad zum See stellenweise im Geröll und zwischen den Felsen verliert und es unklug gewesen wäre, diesen Weg ohne Begleitung zu gehen. Der Aufstieg begann im Dorf Glola. Die ersten drei Stunden waren ein echter Ausdauertest: Der Pfad stieg in einem Winkel von fast 40 Grad durch einen alten Kiefernwald an. Wir gingen langsam, Schritt für Schritt, während uns unter der brennenden Julisonne der Schweiß auf der Stirn stand.

Als der Wald endete, begann der anstrengende Aufstieg durch ein steiles Schotterkar. Die Steine rutschten unter unseren Füßen weg, die Sonne brannte unbarmherzig und die Luft wurde merklich dünner. Mehrmals verspürte ich den Wunsch, umzukehren, aber Oljas Zuspruch und Georgis ruhige Zuversicht halfen mir, Meter um Meter zu bewältigen. Auf dem letzten Abschnitt mussten wir regelrecht über Felsen kraxeln und uns an Vorsprüngen festhalten.

Doch was wir nach dem Erreichen des Passes sahen, war jeden Tropfen Schweiß wert. Vor uns lag ein kleiner, perfekt runder See mit tiefblauem Wasser, in dem sich wie in einem Spiegel die majestätische Wand des Katizwera-Berges mit den Resten des Gletschers spiegelte. Ringsum gab es keinen einzigen Baum, nur schroffe graue Felsen und Schneefelder, die noch nicht geschmolzen waren. Es war ein Ort von vollkommener, unberührter Schönheit.

Wir verbrachten etwa anderthalb Stunden am See. Olja traute sich sogar, an das Wasser heranzugehen und sich das Gesicht zu waschen — das Wasser war eiskalt. Georgi kochte für uns einen starken Kaffee auf einem tragbaren Gaskocher, dessen Geschmack uns in 2800 Metern Höhe wie das reinste kulinarische Meisterwerk vorkam. Wir saßen schweigend am Ufer und fühlten uns wie Sieger, die ihre eigenen Schwächen für diese außergewöhnliche Schönheit überwunden hatten.

Der Abstieg zurück nach Glola war nicht weniger anstrengend und dauerte etwa fünf Stunden. Unsere Knie und Muskeln brannten förmlich vor Anspannung. Als wir endlich das Auto erreichten, versank die Sonne bereits hinter dem Horizont. Es war das anstrengendste, aber zugleich schönste und einprägsamste Abenteuer unserer zehn Tage in Georgien.

Tag 10. Abschied von Oni und letzte Einkäufe

Unseren letzten Tag in Ratscha ließen wir ruhig angehen, um uns von der anstrengenden Wanderung zum Udsiro-See zu erholen. Wir wachten spät auf, als die Sonne bereits hoch über den Bergen stand. Nana hatte uns ein Abschiedsfrühstück zubereitet: frisches, warmes Chachapuri direkt aus dem Ofen und hausgemachtes Mazoni mit Honig.

Wir machten uns auf den Weg zum Markt von Oni, um authentische Souvenirs und Mitbringsel für unsere Lieben zu kaufen. Hier gab es keine typischen Touristenmagnete, dafür aber echte Schätze aus Ratscha. Wir kauften mehrere Laibe hausgemachten Käse, ein Glas Gebirgshonig, den die lokalen Imker in den Wäldern von Schowi gesammelt hatten, und natürlich den berühmten getrockneten Schinken (Lori), der in festes Papier gewickelt war. Diese Spezialität wird uns zu Hause an die Aromen von Ratscha erinnern.

Den Rest des Tages spazierten wir gemütlich durch die ruhigen Gassen von Oni, warfen Blicke in die Höfe und verabschiedeten uns von dieser wunderbaren Region. Wir besuchten das örtliche Heimatmuseum, wo wir uns eine kleine, aber sehr interessante Ausstellung zur Geschichte und Ethnografie der Region ansahen. Es stellte sich heraus, dass Ratscha eine reiche Geschichte hat, die bis in die Bronzezeit zurückreicht.

Am Abend veranstalteten wir ein Abschiedsessen im Garten unseres Gästehauses zusammen mit Nana und ihrer Familie. Wir saßen unter einem Apfelbaum, tranken hausgemachten Chwantschkara-Wein (dessen Trauben genau hier, in Nieder-Ratscha, angebaut werden), aßen über Kohle gegrillte Flussforelle und unterhielten uns über Gott und die Welt. Wir fühlten uns nicht wie Touristen, sondern wie willkommene Gäste im Haus von Freunden. Der Abschied von diesem herzlichen Ort fiel uns unglaublich schwer.

Das grüne Herz Georgiens: Warum Ratscha für immer in unserer Erinnerung bleibt

Die zehn Tage in Ratscha vergingen wie im Flug und hinterließen eine Fülle von schönen Eindrücken und ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Es ist uns gelungen, unseren Plan vollständig in die Tat umzusetzen: Wir haben das wilde, authentische Georgien abseits der Touristenströme kennengelernt. Ratscha hat uns mit seiner unberührten Natur, der Erhabenheit der Gletscher, der Stille der Wälder und der beispiellosen Gastfreundschaft der Menschen tief beeindruckt.

Was hat uns am besten gefallen? Zweifellos die Wanderungen zum Buba- und zum Tbilisa-Gletscher sowie der anspruchsvolle, aber wunderbare Aufstieg zum Udsiro-See. Diese Orte vermitteln ein Gefühl des Entdeckens, das in der heutigen Zeit selten geworden ist. Das Fehlen von Menschenmassen erlaubte es uns, ganz mit der Natur eins zu werden. Die kulinarischen Entdeckungen wie das Bohnenbrot mit Schinken und das Knoblauchhähnchen Schkmeruli waren ein wunderbarer Bonus.

Gab es auch Schattenseiten? Höchstens die komplizierte Anreise und das fast vollständige Fehlen von touristischer Infrastruktur an einigen Orten. Ohne Führer oder detaillierte Karten kann man sich hier leicht verlaufen, und ohne Auto ist es schwierig, zwischen den Orten hin- und herzureisen. Aber für uns waren diese Punkte eher Vorteile, denn gerade durch seine Abgeschiedenheit hat sich Ratscha seinen einzigartigen Charme und seine wilde Schönheit bewahrt.

Als wir uns von Oni verabschiedeten, stand für meine Schwester und mich fest, dass wir wiederkommen werden. Für unsere nächste Reise planen wir, die noch entlegeneren Winkel von Ober-Ratscha zu erkunden, eine mehrtägige Zelttour über die Pässe nach Swanetien zu machen und noch einmal diese klare Bergluft zu atmen, die nach Kiefern und Gletschereis duftet.


Warning: A non-numeric value encountered in /var/www/u1064170/data/www/public_html/travelimperia.com/resource/site/template/post/article.php on line 109
0
Alle Geschichten

Ähnliche Geschichten

Tourismusnachrichten