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Auf der Suche nach dem authentischen Korea: Eine kulinarische Tour durch Gwangju mit Freunden

27.07.2026 г.
31
Autor:Dmitri Woronzow
Ort:Südkorea, Gwangju
Auf der Suche nach dem authentischen Korea: Eine kulinarische Tour durch Gwangju mit Freunden
Auf der Suche nach dem authentischen Korea: Eine kulinarische Tour durch Gwangju mit Freunden
Auf der Suche nach dem authentischen Korea: Eine kulinarische Tour durch Gwangju mit Freunden

Warum wir Seoul zugunsten der Provinz Jeolla ignorierten

Die Idee, im Juni nach Korea zu reisen, entstand spontan, als wir mit Freunden in einem koreanischen BBQ-Restaurant saßen und das Original probieren wollten. Doch Seoul und Busan schienen uns zu offensichtlich. Wir suchten nach etwas Tieferem, wo Essen nicht nur eine Mahlzeit, sondern eine Religion ist. Nach langer Recherche in Foren fiel die Wahl auf Gwangju, die Hauptstadt der Provinz Jeolla-namdo. In Korea gilt diese Region als die Kornkammer und das kulinarische Herz des Landes. Wenn ein Koreaner sagt, das Essen in einem Restaurant sei „wie in Gwangju“, ist das das höchste Kompliment.

Wir erwarteten keine Wolkenkratzer und Neon-Dschungel im Stil von „Blade Runner“. Unser Fokus lag auf traditionellen Märkten, kleinen Familienrestaurants, die seit Jahrzehnten bestehen, und der Möglichkeit, das echte Leben ohne touristischen Glanz zu sehen. Die Stimmung vor dem Start war forschend: Wir luden sogar spezielle Apps herunter, um lokale Lokale zu finden, die in den uns vertrauten Karten nicht indexiert sind. Unsere Gruppe bestand aus vier Personen, allesamt Feinschmecker, die keine Angst vor scharfen Speisen hatten.

Zur Vorbereitung gehörte auch das Studium der Etikette. Wir lernten, dass es in Gwangju üblich ist, eine riesige Anzahl an kostenlosen Beilagen – Banchan – zu servieren, und deren Vielfalt hier größer ist als irgendwo sonst. Wir buchten Unterkünfte in verschiedenen Stadtteilen, um den Kontrast zwischen alten Vierteln und moderner Bebauung zu spüren. Die größte Sorge war die Hitze, aber der Anfang Juni erwies sich als angenehm, mit einer leichten Brise und ohne anhaltenden Regen, was ideal für lange Spaziergänge zwischen den Mahlzeiten war.

Tag 1. Eintauchen in Chungjang-ro und der erste Riesentisch

Nach der Ankunft in Gwangju bezogen wir sofort unser Apartment im Viertel Chungjang-ro. Dies ist wie der lokale Arbat, aber mit koreanischem Flair. Die Unterkunft war geräumig, mit minimalistischem Design und Panoramafenstern mit Blick auf den Mudeungsan. Nachdem wir unsere Sachen abgestellt hatten, machten wir uns auf die Suche nach dem ersten Mittagessen. Die Wahl fiel auf ein unauffälliges Lokal, das klassisches Hansik servierte – ein vollwertiges koreanisches Menü.

Als die Kellnerin begann, die Teller aufzustellen, merkten wir, dass wir uns bei der Bestellung für vier Personen übernommen hatten. Der Tisch verschwand buchstäblich unter einer Schicht aus Keramikschalen. Es gab alles: von fermentierten Sesamblättern bis hin zu marinierten Ganjang-gejang-Krabben. Das Hauptgericht war gegrilltes Schweinefleisch, aber die Beilagen stahlen allem die Show. Wir verbrachten dort zwei Stunden und versuchten herauszufinden, was genau wir da aßen. Am Ende des Essens wurde uns klar: Auf dieser Reise würden wir definitiv nicht abnehmen.

Nach dem Essen spazierten wir durch die engen Gassen von Chungjang-ro. Es ist eine seltsame Mischung aus modischen Boutiquen und Läden, in denen alte Menschen getrockneten Fisch verkaufen. Wir besuchten einige Bäckereien, die es in Korea an jeder Ecke gibt, und probierten Brot mit Sojabohnenpaste. Der Eindruck von der Stadt war zwiespältig: Sie schien ruhiger als Seoul, aber gleichzeitig war eine verborgene Energie spürbar. Wir übernachteten im Apartment, schliefen beim Geräusch der Klimaanlage ein und besprachen die Pläne für morgen.

Tag 2. Der Yangdong-Markt und die Kunst des Street Foods

Der Morgen des zweiten Tages begann mit einer Suche nach dem „besten Kaffee in Gwangju“. Es stellte sich heraus, dass die Koreaner genauso besessen von Cafés sind wie von Kimchi. Nachdem wir einen stylischen Ort im Industriestil gefunden hatten, stärkten wir uns mit einem Iced Americano und machten uns auf den Weg zum Yangdong-Markt. Dies ist einer der ältesten und größten Märkte der Region. Hier wird kein Tourismus gespielt – hier leben und arbeiten die Menschen.

Der Markt beeindruckte durch seine Gerüche. Es roch nach allem gleichzeitig: frischem Grün, dem Meer und etwas Scharfem. Wir stießen auf Reihen, in denen der berühmte Hongeo-Rochen verkauft wurde. Dies ist eine lokale Delikatesse mit einem stechenden Ammoniakgeruch. Nur zwei von uns trauten sich, ihn zu probieren. Die Erfahrung war, gelinde gesagt, spezifisch, aber es war eine wichtige kulturelle Erfahrung. Die anderen bevorzugten Jeon – gebratene Fladen mit Meeresfrüchten und Frühlingszwiebeln, die direkt vor unseren Augen auf riesigen Blechen zubereitet wurden.

Den ganzen Tag verbrachten wir damit, von Stand zu Stand zu ziehen. Wir aßen Tteokbokki – scharfe Reiskuchen, die in Gwangju mit einer ganz besonderen Sauce zubereitet werden. Am Abend taten uns die Beine weh, und wir beschlossen, einfach am Ufer des Flusses Gwangjucheon zu sitzen. Dort sind viele junge Leute, alle sitzen im Gras, jemand spielt Gitarre. Den Abend ließen wir in einer kleinen Bar ausklingen und probierten Makgeolli – Reiswein, der hier in goldenen Teekannen serviert wird. Wir schliefen wie die Murmeltiere.

Tag 3. Aufstieg zum Mudeungsan und ein wohlverdientes Mittagessen

Den dritten Tag widmeten wir der Natur und machten uns auf zum Mudeungsan. Er ist das Symbol der Stadt, ein riesiger Nationalpark. Wir planten nicht, den Gipfel zu stürmen, beschlossen aber, einem der Pfade zu den Seoseokdae-Felssäulen zu folgen. Der Aufstieg war moderat, die Wege ausgezeichnet ausgebaut und überall standen Wegweiser. Die Waldluft war so sauber, dass einem fast schwindelig wurde.

Auf halbem Weg trafen wir eine Gruppe älterer Koreaner in professioneller Wanderausrüstung. Sie schenkten uns Mandarinen und empfahlen uns in gebrochenem Englisch ein Restaurant am Fuße des Berges, das Samgyetang zubereitet – eine Hühnersuppe mit Ginseng. Wir folgten dem Rat. Es war die beste Entscheidung des Tages. Eine heiße, gehaltvolle Brühe mit einem ganzen kleinen Huhn, das mit Reis und einer Ginsengwurzel gefüllt war, gab uns sofort die Kräfte zurück.

Nach dem Abstieg besuchten wir den Jeungdoksa-Tempel, der direkt im Park liegt. Es war sehr still dort, man hörte nur das Klingen der Windspiele. Den Abend verbrachten wir im Viertel der Chonnam-Universität. Dort pulsiert das Leben, es gibt viel günstiges Essen und lautstarke Gruppen. Wir aßen Cheonggukjang, eine Suppe aus fermentierten Sojabohnen – sie riecht genauso streng wie Hongeo, schmeckt aber fantastisch. Übernachtung am selben Ort, Vorbereitung auf den Umzug in ein anderes Viertel.

Tag 4. Das Dorf Pengpeng und die Entensuppe Ori-tang

Wir zogen in ein Gästehaus im Hanok-Stil um – ein traditionelles koreanisches Haus. Das war ein Muss im Programm. Wände aus Papier, Fußbodenheizung (Ondol), minimales Mobiliar. Das Viertel erwies sich als sehr ruhig und gemütlich. Zuerst besuchten wir das Dorf Pengpeng. Es ist kein echtes Dorf, sondern ein Kunstviertel, in dem alte Häuser mit Wandbildern und Installationen aus Recyclingmaterialien geschmückt sind. Ein sehr atmosphärischer Ort zum Spazierengehen.

Das Mittagessen war im Bereich der „Entensuppen-Gasse“ (Ori-tang Alley) geplant. Gwangju ist berühmt für sein Ori-tang. Dies ist eine dicke Entensuppe mit viel Perillasamen, was sie cremig und sehr aromatisch macht. In dem Lokal, das wir besuchten, gab es keine englische Speisekarte, aber wir brauchten sie auch nicht – es wurde nur dieses eine Gericht gekocht. Man brachte uns einen riesigen Topf und haufenweise Minari-Grün, das man ständig in die kochende Brühe nachlegen musste.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit der Suche nach lokalen Plattenläden. Wir fanden einen winzigen Keller, in dem der alte Besitzer für uns alten koreanischen Rock aus den 70ern auflegte. Es war magisch. Zu Abend aßen wir Gimbap, das wir in einem GS25-Convenience-Store kauften – selbst dort war das Essen auf dem Niveau eines guten Cafés. Den Abend im Hanok verbrachten wir mit Diskussionen darüber, wie sehr sich Gwangju vom Klischeebild Koreas unterscheidet. Wir schliefen auf Matratzen auf dem Boden – überraschend bequem.

Tag 5. Ein Ausflug nach Boseong zu den Teeplantagen

Am fünften Tag beschlossen wir, die Stadt kurzzeitig zu verlassen, und mieteten ein Auto. Unser Ziel waren die Teeplantagen von Boseong, etwa eine Autostunde entfernt. Es ist ein unglaublicher Anblick: endlose grüne Terrassen, die zum Meer hin abfallen. Wir wanderten durch die Daehan Dawon Plantage, tranken frisch aufgebrühten grünen Tee und probierten Matcha-Eis. Im Juni ist das Grün dort besonders leuchtend.

Die Gastronomie dieses Tages stand ganz im Zeichen des Tees. Zum Mittagessen fanden wir ein Restaurant, das Schweinefleisch servierte, das mit Teeblättern gefüttert worden war, sowie Nudeln, die mit Teepulver geknetet wurden. Der Geschmack war fein, mit einer leichten Bitternote. Nach den Plantagen fuhren wir an die Küste, atmeten die Meeresluft und beobachteten Fischer, die Netze mit kleinen Fischen einholten.

Zurück in Gwangju fühlten wir uns, als wäre uns die Stadt fast vertraut geworden. Zum Abendessen gingen wir zum „1913 Songjeong Station Market“. Dies ist ein rekonstruierter alter Markt, der in einen Hipster-Treffpunkt verwandelt wurde. Dort probierten wir alles Mögliche: von gebratenen Mandu-Teigtaschen bis hin zu Gyeran-ppang (Eierbrot). Es war lustig und laut. Wir übernachteten im Hanok und genossen die Stille des Innenhofs.

Tag 6. Songjeong und die berühmten Tteokgalbi

Der sechste Tag begann mit der Erkundung des Viertels Songjeong. Wir kamen eigens hierher, um Tteokgalbi zu probieren – das sind gegrillte Fleischküchlein aus Rind- und Schweinefleisch, die fein gehackt und in einer süßen Sauce mariniert werden. Dieses Gericht ist das Aushängeschild von Gwangju. Wir wählten ein Restaurant, das seit den 1950er Jahren existiert. Zu den Küchlein servierte man uns kostenlos eine riesige Schüssel Knochenbrühe mit Rippchen.

Das Fleisch schmolz förmlich im Mund. Wir verstanden, warum Menschen aus anderen Städten hierher kommen. Nach einem so üppigen Mittagessen mussten wir uns viel bewegen. Wir besuchten das Asia Culture Center (ACC). Es ist ein grandioses modernes Gebäude, das tief in den Boden reicht. Dort fand eine Medienkunst-Ausstellung statt, die uns völlig verzauberte. Gwangju positioniert sich als Stadt der Künste, und dieser Ort ist der beste Beweis dafür.

Am Abend beschlossen wir, uns einen „Tag ohne koreanisches Essen“ zu gönnen, landeten aber schließlich in einer koreanischen Bäckerei, wo wir Würstchen im Schlafrock und Sahnebrötchen kauften. Koreaner verstehen es, jedes Gebäck in ein Kunstwerk zu verwandeln, auch wenn die Kombinationen manchmal seltsam sind (zum Beispiel Knoblauchbrot mit Zucker). Wir spazierten durch den Sajik-Park und stiegen auf den Aussichtsturm, von dem aus man die ganze Stadt im Lichtermeer sieht. Übernachtung wieder im Gästehaus.

Tag 7. Gedenken und moderne Geschichte

Der siebte Tag war der Geschichte gewidmet. Wir konnten die Tatsache nicht ignorieren, dass Gwangju eine Stadt mit einem starken Freiheitsgeist ist. Wir fuhren zum Nationalfriedhof des 18. Mai. Der Ort ist sehr kraftvoll, feierlich und traurig. Er half uns, die Mentalität der Einheimischen besser zu verstehen – sie sind sehr stolz auf ihre Stadt und ihre Geschichte des Kampfes für die Demokratie. Wir verbrachten dort einige Stunden und spazierten schweigend umher.

Das Mittagessen war bescheiden – Naengmyeon, kalte Nudeln. In der Sommerhitze ist das eine Rettung. Die Nudeln werden in einer eiskalten Brühe mit Birnen- und Gurkenstücken serviert. Wir fanden einen Ort, an dem die Nudeln von Hand aus Buchweizenmehl hergestellt werden. Das prickelnde Gefühl von Kälte und der Schärfe des Senfs war genau das Richtige nach einem emotional schweren Morgen. Nach dem Essen besuchten wir das Gwangju Museum of Art, wo wir Werke lokaler Künstler betrachteten.

Am Abend kehrten wir ins Zentrum zurück und stießen auf ein Street-Dance-Festival. Unmengen von jungen Leuten, Musik, eine unglaubliche Energie. Wir kauften an einem Stand gebratenes Hähnchen und aßen es direkt auf den Stufen des Kulturzentrums, während wir die Battles beobachteten. In diesem Kontrast – vom Friedhof bis zum Tanz – liegt das ganze Korea. Wir übernachteten in einem Apartment im Norden der Stadt, das wir für die letzten Tage gebucht hatten.

Tag 8. Der Bambushain von Damyang

Wieder ein kurzer Ausflug vor die Tore der Stadt. Diesmal in das benachbarte Städtchen Damyang. Dieser Ort ist bekannt für seine Bambuswälder. Der Juknokwon-Hain ist ein wahrer grüner Ozean. Wir wanderten auf Pfaden zwischen riesigen Bambusstämmen, die im Wind knarrten. Es war sehr meditativ. Wir probierten sogar Bambustee und kauften Souvenirs aus Bambus.

Das Hauptgericht in Damyang ist Daetong-bap, Reis, der in einem Bambusrohr mit Nüssen und Trockenfrüchten gekocht wird. Der Reis nimmt das Aroma des Holzes an und wird sehr klebrig und lecker. Dazu wurde eine Auswahl von zwanzig verschiedenen Beilagen serviert. Wir saßen in einem Restaurant mit Blick auf den Fluss und fühlten uns wie Helden in einem historischen Drama. Außerdem probierten wir Guksu-Nudeln, die in Damyang traditionell draußen am Wasser gegessen werden.

Zurück in Gwangju beschlossen wir, in eine traditionelle koreanische Sauna zu gehen – ein Jjimjilbang. Das war ein echtes Abenteuer. Wir verbrachten dort etwa vier Stunden: Wir schwitzten in Salzräumen, lagen auf heißen Steinen und tranken Sikhye (ein süßes Reisgetränk). Das ist der beste Weg, um Müdigkeit loszuwerden. Wir kamen wie neugeboren wieder heraus. Wir aßen spät zu Abend und kauften uns einfach gebratene Tintenfische am Bahnhof. Übernachtung im neuen Apartment.

Tag 9. Die Suche nach dem idealen Bibimbap

Obwohl Jeonju als Heimat des Bibimbap gilt, hat Gwangju seine eigene Version dieses Gerichts, und viele streiten darüber, welche besser ist. Wir machten uns auf in ein altes Viertel, wo laut Bewertungen in Naver (der koreanischen Suchmaschine, die wir inzwischen beherrschten) ein Restaurant mit 40-jähriger Geschichte lag. Bibimbap wird in Gwangju oft mit rohem Rindfleisch – Yukhoe – serviert. Es war mutig, aber unglaublich lecker.

Den ganzen Tag widmeten wir dem Shopping, aber keinem gewöhnlichen, sondern einem gastronomischen. Wir suchten nach lokaler Gochujang-Paste und getrockneten Algen von bester Qualität. Wir besuchten das Kaufhaus Shinsegae, dessen Food-Court im Untergeschoss ein Paradies für Feinschmecker ist. Wir probierten Proben von allem Erdenklichen, von exklusiven Früchten bis hin zu Craft-Bier. Wir kauften einige Flaschen Soju aus kleinen Brennereien.

Am Abend machten wir ein Picknick im Jungoe-Park. Dort gibt es viele Skulpturen und schöne Alleen. Wir saßen auf einer Decke, aßen die gekauften Delikatessen und schauten uns den Sonnenuntergang an. Eine Gruppe Studenten sprach uns an, die ihr Englisch üben wollten. Schließlich unterhielten wir uns bis zur Dunkelheit; sie erzählten uns von ihren Lieblingsorten in der Stadt, über die man in Reiseführern nichts liest. Übernachtung im Apartment.

Tag 10. Das letzte Festmahl und eine geheime Bar

Für den vorletzten Tag hoben wir uns das Ungewöhnlichste auf – den Malbau-Fischmarkt. Dies ist kein touristischer Ort, Ausländer gibt es dort kaum. Wir kauften dort fangfrische Austern und Fisch, die uns sofort in einem kleinen Café um die Ecke zubereitet wurden. Die Preise waren dreimal niedriger als in Seoul und die Frische war unübertroffen. Die Austern waren so groß wie eine Handfläche.

Nach dem Mittagessen spazierten wir einfach ziellos umher und schauten in interessante Hinterhöfe. Wir fanden eine alte Druckerei, die in einen Coworking-Space und ein Café umgewandelt worden war. Die Stadt hielt ständig solche Überraschungen bereit. Wir begriffen, dass Gwangju eine Stadt für diejenigen ist, die Details lieben und nicht nur das Monumentale. Am Abend fanden wir auf Anraten der Studenten eine „geheime“ Bar ohne Schild im Viertel Dongmyeong-dong. Dieses Viertel mit seinen vielen coolen Cafés wird auch „Gwangju-ridan“ genannt.

In der Bar wurden Cocktails auf der Basis traditioneller koreanischer Tinkturen serviert. Wir saßen dort bis zur Sperrstunde und besprachen alles, was wir in diesen 10 Tagen gesehen hatten. Es war ein perfekter Abschlussabend: gute Musik, exzellente Getränke und die Gesellschaft bester Freunde. Wir fühlten, dass wir unser kulinarisches Programm voll erfüllt hatten. Wir übernachteten, packten Koffer und versuchten, alle gekauften Saucen und Tees hineinzuquetschen.

Tag 11. Abschied von der Stadt der Genüsse

Der Morgen des letzten Tages war entspannt. Wir checkten aus dem Apartment aus und gingen in das allererste Café frühstücken, das uns so gut gefallen hatte. Wir tranken Kaffee und beobachteten die erwachende Stadt. Es war ein wenig traurig, abzureisen. Wir besuchten zum Abschluss noch einmal den Markt, um heiße Teigtaschen mit roter Bohnenfüllung für die Fahrt zu kaufen.

Das letzte Mittagessen in Gwangju war eine einfache Suppe mit Sojasprossen – Kongnamul-gukbap. Dies ist ein leichtes und klares Gericht, das Koreaner oft essen, um den „Magen zu beruhigen“. Es war symbolisch: Wir begannen mit einem riesigen Tisch voller Gerichte und endeten mit einer einfachen, ehrlichen Mahlzeit. Wir saßen noch am Bahnhof, beobachteten das Treiben und versprachen uns, irgendwann in die Provinz Jeolla zurückzukehren, um sie noch genauer zu erkunden.

Die Fahrt zum Flughafen verging im Halbschlaf. Wir schauten uns die Fotos vom Essen an und begriffen, dass wir in diesen 11 Tagen nicht nur satt geworden waren, sondern einen sehr wichtigen Teil der koreanischen Seele berührt hatten. Gwangju versuchte nicht, uns zu gefallen; es lebte einfach sein Leben, und das war das Wertvollste. Wir flogen mit einem Gefühl der Erfüllung und vollen Taschen voller kulinarischer Souvenirs nach Hause.

Warum Gwangju Liebe geht durch den Magen ist

Wenn mich jemand fragt, ob es sich lohnt, nach Gwangju zu reisen, antworte ich: Nur wenn man bereit ist, dass das Essen zum Hauptereignis des Tages wird. Dies ist keine Stadt für eine zweistündige Besichtigung von UNESCO-Sehenswürdigkeiten. Es ist eine Stadt für langsames Eintauchen. Uns gefiel das Fehlen von Touristenmassen und die aufrichtige Freundlichkeit der Einheimischen außerordentlich. Die Menschen hier sind einfacher und offener als in der Hauptstadt, sie sind stolz auf ihre Region und immer bereit zu helfen, selbst wenn sie kein Wort Englisch sprechen.

Was hat uns nicht so gut gefallen? Vielleicht nur, dass es ohne Kenntnis zumindest grundlegender koreanischer Phrasen oder der Fähigkeit, spezifische lokale Apps zu nutzen, etwas schwierig sein kann. Google Maps ist hier praktisch nutzlos; es zeigt keine Verkehrsverbindungen und viele Lokale nicht an. Aber auch das ist Teil des Abenteuers. Südkorea bleibt ein Land der Kontraste, in dem Hochtechnologie direkt neben Märkten existiert, auf denen die Zeit vor fünfzig Jahren stehen geblieben zu sein scheint.

In Zukunft würde ich gerne im Herbst in diese Region zurückkehren, um Gwangju inmitten roter Ahornbäume zu sehen und saisonale Gerichte aus Persimonen und Kastanien zu probieren. Diese Reise hat uns gelehrt, dass die intensivsten Eindrücke oft dort verborgen liegen, wohin keine ausgetretenen Touristenpfade führen. Wenn Sie gutes Essen lieben, Geschichte schätzen und keine Angst haben, über den Tellerrand hinauszuschauen – Gwangju erwartet Sie. Bringen Sie einfach bequeme Schuhe und einen sehr großen Appetit mit.


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